Epigenetik und Astrologie


Uranus und die Revolution der Urzelle


Alle Generationen in einer - deren Muster werden reaktiviert durch aktuelle Konstellationen

Drei Generationen in einem Körper

 

Die Eizelle, aus der wir später entstanden sind, wurde bereits im Körper unserer Mutter gebildet, während sie im Bauch der Großmutter heranwuchs. Deren Lebensumstände von damals haben weitreichende Folgen für die Prägung dessen, was vererbt wird - insbesondere für unser soziales Leben.

 

Der Uranus-Return im 84. Lebensjahr der Mutter

 

Was das konkret bedeutet, ist mir klar geworden, als der Transit von Uranus in seinem 84-jährigen Zyklus nun genau dort stand, wo er sich auch befand, als damals meine Kernzelle gebildet wurde. Weil Uranus in der Astrologie für neue Erfahrungen aber auch für Befreiung, Erkenntnis und Revolutionäres zuständig ist, passt das natürlich. Bei mir war diese Konstellation zusätzlich durch weitere Aspekte verstärkt worden.

 

Dieser besondere Uranus-Return ist bis zum Jahr 2029 übrigens bei allen aktiv, deren Mutter im Zweiten Weltkrieg geboren wurde. Hier gibt es nun eine besondere Chance, die alte Prägung aufzuheben - und eine freiere Ebene zu erreichen. Generell ist dieser Return immer dann wirksam, wenn die eigene Mutter im 84. Lebensjahr ist. Eine sinnvolle Gelegenheit, sich selbst neu zu entdecken.


Epigenetische Bedeutung für unsere Beziehungen

Auffällig ist, dass mit dieser Eizelle Muster aus der Beziehung der Großmutter zur damaligen Zeit weitervererbt werden. Oft sogar mit genau den gleichen Storys.

 

In der modernen Psychologie und Epigenetik wird dieses Phänomen häufig unter dem Begriff „Transgenerationale Weitergabe von Bindungsmustern“ diskutiert. Rein biologisch betrachtet, werden zwar keine Erinnerungen an den Großvater vererbt. Aber das biochemische Milieu, in dem die Eizelle heranwuchs, wurde maßgeblich durch die Paarbeziehung der Großmutter geprägt. Sie wirkt stark, wenn es zu Stress gekommen ist. Denn dann war die Großmutter dauerhaft einem hohen Cortisol- und Adrenalinspiegel ausgesetzt. Dieses Hormonmilieu beeinflusste die DNA-Methylierung in der heranreifenden Eizelle. Das Gen, das später bei für die Bildung von Bindungshormonen zuständig ist, kann dabei zurückgeschaltet worden sein, während das für die Bildung von Stresshormonen aktiviert wurde.

Sehr konkrete Prägungen

Meine Urzelle ist im zweiten Weltkrieg entstanden. Mein Großvater  war 20 Jahre älter als meine junge Großmutter, er war bereits verheiratet und blieb bei seiner Ehefrau. Meine Oma wohnte noch bei ihren Eltern, sie zog meine Mutter dann zunächst ohne einen Vater auf. 

 

Tatsächlich ist bei mir selbst ganz schnell "Bombenalarm". Und in meinem Beziehungsleben verlasse ich mich letzten Endes nicht auf einen Partner, sondern auf eigene Entscheidungen und eine Art Kernfamilie. Bei meiner Schwester ist dieses Muster ebenfalls deutlich. 

Während die Eizellen für meine Kinder gebildet wurden, waren meine Eltern hingegen beide jung, frisch verheiratet, im Studium, wohnten aber zunächst noch etwas angespannt im väterlichen Elternhaus. Ihr Thema lautete: "Wir halten mit unserer neuen Familie zusammen, wir schaffen das, es wird immer besser." Sie haben sich dann eine Arztpraxis aufgebaut, besitzen ein schönes Anwesen und sind noch immer verheiratet. Genau wie meine Eltern haben meine Kinder im Studium bereits Familien gegründet, ebenfalls zunächst im väterlichen Haus mit gewissen Spannungen, halten mit ihren Partnern zusammen und bauen sich gemeinsam etwas Gutes auf, was mich freut. Das Beziehungsleben ist auch bei ihnen eine erkennbare Kopie aus dem Setting der damaligen Konstellation.

Als ich mit meiner Tochter schwanger war und die Eizellen für meine Enkeltochter entstanden, war ich mit einem ca. 20 Jahre älteren Mann zusammen - so wie früher meine Oma. Ich wusste übrigens gar nichts von meinem Großvater, er war der große Unbekannte. Zum Glück konnte mein Mann nun Verantwortung übernehmen. Eine Art Heilung. Er hatte etwas Heldenhaftes, hatte sich aus eigener Kraft etwas aufbauen können, und er war aus der DDR geflohen, gleich nach dem Mauerbau, weil er nicht in einem Staat leben wollte, in dem Lügenpropaganda mehr politische Macht gegeben wird als Justitia. All das müsste bald für die Tochter meiner Tochter wichtig werden. Ich hoffe dennoch, dass ihr Mann jünger sein wird als der aus dem Programm der Urmutter und dass sie mit ihm eine bessere Bindungssicherheit entwickeln kann.

 

Dass bei mir sofort „Bombenalarm“ ausgelöst wird, ist epigenetisch jedoch absolut schlüssig. Weil die Großmutter unter dem Stress von Luftangriffen und Ungewissheit stand, wurde meine Urzelle auf erhöhte Wachsamkeit programmiert. Mein Nervensystem hat quasi ein Update erhalten, das sagt: Die Welt ist gefährlich, unzählige Menschen sind gefährlich, sei jederzeit bereit, dich in Sicherheit zu bringen. Das Muster, sich nur auf sich selbst zu verlassen, ist bei mir eine logische Überlebensstrategie.

 

Anders als bei den Kindern

 

Hier kommt es nun zu einem starken Kontrast im Vergleich zum Leben meiner Kinder. Deren Urzellen entstanden in einer Phase von Aufbruch, Studium und Zusammenhalt. Statt „Gefahr“ oder "Sicherheit durch Freiheit" empfingen ihre Zellen das Signal „Sicherheit durch Partnerschaft“.

Meine Kinder verstehen meinen Bombenalarm und meine Fluchtimpulse nicht - weil ihre Urzellen nie im Stresscocktail eines Kriegswinters badeten. In meinem Fall soll es sogar ein besonders kalter Winter gewesen sein. Vielleicht kommt daher mein sehr tiefer und starker Wunsch, an einem Ort zu leben, wo es immer sommerlich ist. Außerdem triggert es mich unmäßig, wenn ich aus dem Schlaf gerissen werde. Ebenso in harten Stress gerate ich schon immer bei versperrten Fluchtwegen, Dröhnen in Mauern oder sirenenartigem Gesang. Warum, das ist mir jetzt erst klargeworden, beim Uranus-Return zur Entstehung meine Urzelle.

 

Deswegen muss ich also immer sehr darauf achten, freie Sicht und eine ruhige Umgebung zu haben. Deswegen fühle ich mich in engeren Bindungen mit Menschen nicht sicher und gehe lieber mit Überblick meinen eigenen Weg. Was übrigens auch eine Gabe sein kann, da ich mich nicht von Bindungen einlullen lasse, bis ich den Elefant im Raum nicht mehr sehe. Ich freue mich, dass ich dadurch die Freiheit habe, zu gehen, wohin ich will, und niemals lange Opfer der Umstände sein muss. Es ist meiner Erfahrung nach heilsam, bewusst den Alarm der Urzelle in Handlungsmacht zu verwandeln. Reale gute Beziehungen und Freundschaften mit anderen helfen dabei. Eine friedliche Umgebung ebenso.

 

Fazit

 

Unsere soziale Rolle wird im Wesentlichen vom Setting der Oma mütterlicherseits geprägt. Gut zu wissen für die eigene Biografie. Außerdem sollten wir in jeder Familie darauf achten, wie entscheidend das Wohlergehen einer werdenden Mutter für die kommenden Generationen ist.

 

© Christine Keidel-Joura



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